Widerrufsrecht – Tolle Sache für den Verbraucher. Und für den Händler?

Als Verbraucher haben wir uns längst daran gewöhnt: Wir bestellen im Internet, was immer uns gefällt oder zu gefallen scheint. Und schicken zurück, was uns nicht passt. Oder widerrufen unsere Bestellung sogar noch bevor wir die Ware erhalten haben. So ist es uns kürzlich auch ergangen: Ein Kunde bekam ein Angebot und bestellte Fliesen bei uns, nachdem er sich versichert hatte, dass die Ware seiner Planung entsprechend rechtzeitig geliefert würde.

Jede Bestellung bedeutet Arbeit, Aufwand, Kosten

Casa:1 | KartonagenWir bestellten die Fliesen umgehend bei unserem Hersteller in Spanien, und um die Sache ein wenig zu beschleunigen, baten wir ihn, die Bestellung schnellstmöglich zum Versand fertig zu machen. Auftragsbestätigung, Rechnung und Versandpapiere wurden erstellt, die Ware in Spanien gepackt. Wir beauftragten eine Spedition und ließen die Ware abholen. Sobald die Fliesen im LKW waren, übermittelten wir dem Kunden die frohe  Botschaft, dass seine Fliesen auf dem Weg zu ihm seien. Und der Kunde – widerrief seine Bestellung.

Verschwendung von Ressourcen

Das ist natürlich sein gutes Recht. Für uns als Händler jedoch ist es mehr als ärgerlich. Wir bieten einen guten Service und bemühen uns in dringenden Fällen gemeinsam mit unseren Lieferanten immer, den Kundenwunsch nach einer schnellen Lieferung zu erfüllen. Als Händler können wir unsererseits unsere Bestellung beim Lieferanten natürlich nicht stornieren – vor allem nicht, wenn sie schon auf dem Weg zum Kunden sind. So müssen wir solche Fliesen bei uns einlagern. Da wir aber kein Lager haben (alle Fliesen werden direkt vom Hersteller zum Kunden geschickt), sondern nur einen Showroom, ist das für uns nicht nur ein finanzieller Nachteil, sondern auch ein Platzproblem. Von den Kosten, die das alles verursacht und nicht zuletzt auch vom unnötigen Ressourcenverbrauch einmal ganz abgesehen.

Kleid mit Schweißflecken zurückgeschickt

Wir wollen keine Gesetze ändern, denn Verbraucherschutz ist gut und richtig. Wir haben aber den Eindruck, dass sich niemand mehr Gedanken darüber macht, was ein unüberlegtes Verhalten für Händler wie uns bedeutet. Wut Wenn wir lesen, in welchem Zustand Menschen Ware zurückgeben, dann können wir nur mit dem Kopf schütteln. Da berichten Händler von Kleidungsstücken, die offenbar für eine Party oder eine Hochzeit bestellt und nach zehn Tagen mit Schweißflecken wieder zurückgeschickt werden. Ein anderer Händler erzählt, dass er gegen Forderung der Kaufpreiserstattung Modellhubschrauber zurückbekam, die offensichtlich benutzt und mehrmals gegen eine Wand geflogen wurden.Ein Baumarkt musste Kunden das Geld für eine Säge erstatten, die zehn Tage nach dem Kauf in offensichtlich gebrauchtem Zustand und mit stumpfem Sägeblatt zurückgeschickt wurde.

Gesunder Menschenverstand und Respekt

Viele solcher Fälle sind bekannt, und auch wenn wir uns da nicht einreihen wollen und zum Glück auch nicht müssen, bitten wir dennoch um Verständnis. Im oben beschriebenen Fall hätten wir den Auftrag auf Kulanz vermutlich noch bei unserem Hersteller stoppen können, wenn wir etwas früher Bescheid gewusst hätten. Die Sache zuerst dringend zu machen und erst dann abzusagen, wenn die Versandbestätigung kommt – das ist des Kunden gutes Recht, okay. Gedanken- und respektlos ist es trotzdem. Es scheint sich so eine Haltung bei Kunden eingenistet zu haben, dass Händler sowieso über viel zu viel Geld verfügen und dass sie alles akzeptieren müssen, was der Kunde diktiert. Allerdings hört Verbraucherschutz da auf, wo Händler wissentlich geschädigt werden. Für die Fälle, wo es aus Nachlässigkeit oder Gedankenlosigkeit geschieht, bleibt uns der Appell, doch bitte kurz zu überlegen, bevor man sich darauf verlässt, dass man ja alles zurückgeben oder stornieren darf, was man im Internet bestellt. Das hat nichts mit Verbraucherschutz zu tun, sondern mit gesundem Menschenverstand und Respekt.

Gefällt Ihnen dieser Artikel?
Sagen Sie es weiter!

Datenschutz durch Heise Shariff

Autor/in
Silke Wiegand

Silke Wiegand

Online-Redakteurin, Texterin, Übersetzerin | Geschäftsführung Casa:1 Zementfliesen | Zuständig für Content-Marketing, SEO, Social Media, Presse und PR, Marketing

Zurück

Kommentare

Einen Kommentar verfassen

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir uns eine Prüfung Ihres Kommentars vor der Veröffentlichung auf unserer Website vorbehalten.

Zurück nach oben